Berühmt oder berüchtigt?

Einer meiner Lieblingsmusiker ist seit ein paar Jahren Amon Tobin, der mich immer wieder mit seinen jazzigen Elektro-Klängen zu begeistern vermag. Aufmerksam wurde ich auf seine Werke, nachdem er den Soundtrack zum Videospiel Splinter Cell – Chaos Theory schuf, der noch immer zu meinen Lieblingsalben gehört. Es begann damit, das ich nach dem spielen der Multiplayer-Beta dieses Spiels dessen Soundtrack bei iTunes kaufte – Und schon wenig später sämtliche anderen Alben, die er bisher veröffentlicht hatte. Die Lieder gehen einfach unter die Haut und vermitteln Stimmungen und Atmosphäre, ähnlich wie ein anderes von mir liebgewonnenes Musikgenre – Soundtracks. Im Gegensatz zu diesem sind die Lieder aber meist anspruchsvoller. Man sollte sich schon ein wenig Zeit nehmen und die Musik in Ruhe genießen – Dies ist kein Pop den man nebenher dudeln lassen kann. Gerade am Anfang erfordern seine Songs die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers, um ihre Wirkung zu entfalten. Auch die Wahl der Instrumentierung ist sicherlich nicht jedermanns Sache: Bei seinem letzten Album, Foley Room, bildeten beispielsweise unter Anderem startende Motoren, tropfende Wasserhähne oder brüllende Löwen neben den Streichern des Kronos Quartet den Klangteppich. Doch lässt man sich darauf ein, werden schon nach kurzer Zeit die einzelnen Geräusche irrelevant und man beginnt das Werk in seiner Gesamtheit wahrzunehmen.

Jetzt, vier Jahre nach Chaos Theory, hat Amon Tobin (in Zusammenarbeit mit dem Filmkomponisten James Dooley) endlich erneut einen Videospiel Soundtrack geschaffen:

Amon Tobin & James Dooley - inFamous
Amon Tobin & James Dooley - inFamous

Bei inFamous handelt es sich kurz gesagt um Sonys Antwort auf Crackdown, welches auf der Xbox360 zu deren Anfangszeit für Furore sorgte. Ironischerweise gehörten auch hier einige ältere Songs von Amon Tobin zum lizensierten Soundtrack. Doch zurück zu inFamous:

Bereits beim ersten durchhören des Soundtracks fällt auf, dass sich die Songs grob in zwei Kategorien aufteilen lassen: Jene an denen Tobin mitgewirkt hat – Und klassische Soundtrack-Stücke. Letztere sind zwar durchweg gelungen, etwas besonderes wird das Album aber erst durch die Tracks des Elektro-Künstlers bzw. den Kollaborationen der Beiden, weswegen ich mich im folgenden auch darauf beschränke:

Das Album beginnt flott mit Rabble Rouser, einem Stück von Amon Tobin das primär durch seinen treibenden Beat besticht, bei dem man sich direkt an die alten Chaos Theory-Zeiten erinnert fühlt. Kein schlechter Einstieg :). Weiter geht es mit Stampton Bridge, welches eher mit mysteriösen Klängen daherkommt und gepaart mit seinen ambient Sounds erfolgreich Spannung aufzubauen vermag. Beim dritten Song, Meet the Reapers, sind erstmals die Früchte der Zusammenarbeit zwischen dem Elektrojazzer und dem Komponisten zu hören. Klassische Soundtrack-Abschnitte verschmelzen mit Tobins Effektspielereien zu einem meiner Lieblingsstücke dieses Albums. Auch Alden Strikes ist ein Track von Beiden, wobei diesmal die Arbeit von letzterem deutlich dominanter wirkt. Auch hier lassen sich einige Parallelen zu Chaos Theory heraushören, gerade die Bläser wirken ungemein vertraut. Die Zusammenarbeit funktioniert erneut: Auch dieses Lied ist Klasse! The Courier ist, wie die folgenden drei Songs, wieder allein Tobins Werk. Nach Stampton Bride ist dies sein zweites eher ruhiges, atmosphärisches Stück auf diesem Album. Für mich etwas zu ruhig, aber durchaus passend zu den Hinterherschleich-Missionen des Spiels, in denen es eingesetzt wird. Der Name verrät es schon, mit Hunt for the Ray Sphere geht es langsam aufs Finale zu. Dementsprechend entfaltet sich auch das Lied und ruhige Passagen wechseln sich mit spannungsaufbauenden Stellen ab, jedoch ohne zu einem Höhepunkt zu gelangen. Es folgt Anything for Trish – Ein weiterer sehr gelungener Song, dominiert von Gitarrensounds und einem großartigem Drumpart. Ebenfalls primär durch seinem Drum-Part definiert sich das mysteriöse Stranded, welches aufgrund seiner Instrumentenauswahl auch prima in eine Lost-Folge passen würde. Zuletzt zeigt Genesis erneut, dass sich Elektronic-Jazz und Soundtracks wunderbar in Einklang bringen lassen: Dies ist das Ende, und das hört man auch – dafür sorgen sowohl die klassischen Melodien von James Dooley als auch die Klänge Amon Tobins, welche erneut in perfekter Symbiose für die richtige Stimmung sorgen, sich stets dem Höhepunkt nährend bis zum spektakulären Finale:

[youtube 85m8A7sToZ4]

Ich möchte erneut darauf hinweisen, dass die anderen Songs von Dooley alles andere als schlecht sind, ganz im Gegenteil gefallen mir einige davon sehr gut. Doch wie eingangs erwähnt war Amon Tobin für mich der Kaufgrund des Albums, selbst ohne das Spiel zu kennen (welches ich mir nun ebenfalls zugelegt habe). Und er hat wirklich gute Arbeit geleistet. Als Fan von Chaos Theory gefiel mir natürlich die Ähnlichkeit zu diesem Album besonders, auch wenn inFamous weit weniger anspruchsvoll daherkommt als von Tobin gewohnt.