Magic war gestern

Wer erinnert sich nicht an das Sammelkartenspiel von Wizards of the Coast, welches den Grundstein für so erfolgreiche Nachahmer wie Pokémon oder Yu-Gi-Oh legte. Trotz diverser veröffentlichter Produkte hat man jedoch den lukrativen Videospielmarkt bisher nur mit eher durchschnittlicher Magic-Kost abgespeist.

Kyle Poole nahm sich mit seinem Spiel Shadow Era dieser Lücke an: Zweihundertausend (!) Spieler tummelten sich, Mund zu Mund Propaganda von Teilnehmern der Beta sei dank, in weniger als einer Woche nach der Veröffentlichung auf den Servern, alle vier Sekunden startete ein neues Spiel. Von solchen Zahlen können selbst diverse Konsolen-Multiplayertitel nur träumen. Die darauf folgenden positiven Reviews taten ihr übriges, um dazu beizutragen dass Shadow Era ein Überraschungserfolg wurde. Zum Start gab es nur einen auf Unity basierenden Web Client und eine Umsetzung für iOS, mittlerweile lassen sich auch native Versionen für Windows und MacOS sowie Android kostenlos herunterladen.

Shadow Era Screenshot
Das Spielfeld

Nachdem man sich angemeldet hat lässt sich der Account mit jedem Client nutzen – Die Decks und erspielten Karten bleiben dabei natürlich erhalten. Nachdem man sein Starter Deck ausgewählt und einige Spiele hinter sich gebracht hat, wird man unweigerlich das Verlangen nach neuen Karten haben. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man kauft, ganz im Stil von Magic, gegen reales Geld weitere Starter oder Booster Packs, oder man investiert etwas mehr Zeit und gewinnt Spiele gegen den Computer oder andere Spieler. Das hierbei gewonnene Gold lässt sich in Karten investieren, die auf dem Marktplatz von anderen Spielern angeboten werden.

Von der Auswahl des Starter Decks abhängig erhält man eine passenden Heldenkarte, die zu den üblichen Klassen wie Krieger, Magier oder Heiler gehört und spezielle Fähigkeiten besitzt. Ziel ist es natürlich, die Lebensenergie des anderen Helden auf Null zu bringen. Im Gegensatz zu Magic bestimmen nicht Resourcenkarten den Manapool – Stattdessen lässt sich zu Beginn einer Runde eine beliebige Karte opfern, die dann dem Pool zugerechnet wird. Ist dieser groß genug um die jeweiligen Vorraussetzungen zu erfüllen beschwört man Mitstreiter, zaubert einen der vielfältigen Sprüche oder verwendet Gegenstände aller Art.

Im Spiel gegen die KI agiert diese meist recht clever und macht einem das Leben nicht einfach -Trotzdem hat man nie das Gefühl betrogen zu werden. Sowohl bei Sieg wie auch Niederlage gibt es Erfahrungspunkte. Steigt man einen Level auf, werden auch die Gegner besser.

Der Multiplayer Modus gibt sich noch karg, gefällt aber durch sein TrueSkill ähnliches Ratingsystem. Derzeit lassen sich nur Spiele gegen zufällige Gegner starten, die kommende Version 1.26 wird auch Matches unter Freunden (unranked), Freundeslisten, Chat und das ansehen von Wiederholungen ermöglichen.

Shadow Era Screenshot
Ein Beispiel für das gelungene Artwork

Optisch macht das Spiel einiges her: Die Karten sind wundervoll gezeichnet und stehen ihren Magic-Vorbildern in nichts nach. Die Effekte und Kameraeinstellungen erfüllen ihren Zweck und sind dezent genug eingesetzt um nicht ablenkend zu wirken. Die Übersicht ist selbst auf dem iPhone immer gegeben.

Negativ zu erwähnen ist, dass man bereits bei der Anmeldung quasi blind ein Starter Deck auswählen muss ohne die genauen Auswirkungen auf den Spielverlauf zu kennen. Hier sollte noch etwas zu Gunsten der Spieler nachgebessert werden, auch wenn es womöglich die Einnahmen durch den Kartenverkauf schmälert. Damit würde man jedoch verhindern, das ein Spieler gefrustet auf einem Deck festsitzt das ihm spielerisch überhaupt nicht zusagt.

Shadow Era Screenshot
Ein Plasma Blast räumt auf

Ich kann Shadow Era nur jedem ans Herz legen, der mit Sammelkartenspielen nur im entferntesten etwas anfangen kann. Die Community ist großartig und Kyle bemüht sich, jedes Balanceproblem auszubügeln. Updates kommen rasch und schlecht ausbalancierte Karten werden dabei mit Bedacht angepasst. Daumen hoch!