Die Nummer Zwei 2011

Saints Row: The Third

Damals konnte mir der vielgerühmten Sandbox-Vorzeigetitel GTA4 nur ein “ok, aber nicht weltbewegend” abringen. Und bis 2011 blieb Crackdown von 2007 das einzige Spiel dieser Art, dass mich wirklich begeistern konnte. Das Spielkonzept von GTA wurde von diversen Studios kopiert, doch der Erfolg blieb den meisten Klonen verwehrt. Dies traf auch auf die Saints Row Serie zu: Der erste Teil eine waschechte Kopie von GTA, der zweite Teil ein erster durchwachsener Versuch auf eigenen Beinen zu stehen und mit eigenen Ideen wie einem ausgefeilten Coop-Modus zu glänzen.

Doch erst mit Saints Row: The Third gelang Volition letztes Jahr der Sprung vom Durchschnittsentwickler zur AAA-Schmiede: Indem man alles was GTA spielerisch ausmachte über Bord warf und von vorn begann, bekam Saints Row mit dem dritten Teil endlich eine eigene Identität und das Feature #1 war fortan schlicht “Spaß”. Alles was diesem hinderlich schien wurde über Bord geworfen: Realistische Waffen wichen Riesendildos und zombiefizierenden Granaten, realistische Physik macht Platz für Riesenexplosionen und getroffene Gegner werden meterweit zurückgeworfen. Knallharte Gangster werden zu überzeichneten Comic-artigen Charakteren mit Wrestling-Maske, Fursuit oder 60er-Jahre SciFi-Kleidung. Burt Reynolds als Bürgermeister fällt da kaum noch auf. Einfach alles ist in diesem Spiel so abgedreht, die Synchronsprecher so perfekt mit ihren Pointen, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Anfangs befürchtete ich der Humor könnte zu profan und Holzhammer-artig ausfallen, doch diese Befürchtung war schon nach den ersten 30 Minuten wie weggewischt: Saints Row bedient wirklich jede Art von Humor, sei es nun einfachem fröhlichem Slapstick bis hin zu bösestem britischem Humor. Hier kommt jeder auf seine Kosten.

Das hinter all dem noch ein hervorragendes Actionspiel mit großartiger Steuerung steckt schadet natürlich auch nicht: Die Fahrzeugphysik ist jederzeit nachvollziehbar, egal ob es sich um Autos, futuristische Schwebemotorräder oder Wollknäule handelt. Auch wenn man zu Fuß unterwegs ist, kann sich die Steuerung mit den besten des Genres messen. Dazu kommt neben dem gewohnt guten zielen und schießen ein Repertoire an Nahkampfangriffen. Ein Novum ist der “Awesome”-Button: Wird dieser bei einer Aktion wie dem Einsteigen in ein Fahrzeug oder einem einfachen Angriff gehalten, wird daraus eine besonderer Moment – Sprünge durch die Windschutzscheibe eines Autos und verschiedene Wrestlingmanöver lassen sich so Beispielsweise realisieren.

Saints Row: The Third Screenshot
Meine Wort- und Waffengewandte Protagonistin

All das kommt in einer kunterbunten Optik daher, die den ganzen Wahnsinn passend unterstreicht. Der eigene Charakter ist bis ins letzte Detail individualisierbar und braucht sich selbst vor Rollenspielen wie Mass Effect nicht verstecken. Gefällt ein Akteur nicht mehr, besucht man eines der vielen Kleidungsgeschäfte oder schickt ihn direkt in die Klinik, wo sich von kleinen Schönheitskorrekturen bis hin zur Geschlechtsumwandlung alles realisieren lässt. Auch ein Eingriff in die Stimmbänder bzw. ein erneutes durchspielen lohnt sich: Die verschiedenen wählbaren Synchronsprecher reagieren teilweise sehr unterschiedlich auf die Ereignisse und Charaktere, die ihnen begegnen.

Etwas das die GTA Serie ihren Konkurrenten immer voraus hatte war der herausragende Soundtrack. Doch auch hier hat Volition geklotzt und nicht gekleckert. Die Songauswahl strotzt zwar nicht vor bekannten Namen, die Lieder untermalen aber stets gut das geschehen und werden auch dramaturgisch sehr passend eingesetzt. Wem nach diesem Spiel nicht noch tagelang die Melodie von Kanye West’s Power im Kopf rumdudelt, dem ist nicht mehr zu helfen.

P.S.: Eigentlich sollte dies nur ein kurzer Absatz in einem Best of 2011 Posting werden, der meinen zweiten Lieblingstitel 2011 erwähnt. Doch aufgrund seines etwas größeren Umfangs habe ich ihn dann doch lieber in ein eigenes Post ausgelagert. Falls es nicht durchgeschienen haben sollte: Ja, ich mag Saints Row: The Third.

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