Überzeugstrahler

Das vorherige Posting liefert den Kontext dafür, worum es sich heute dreht: Aufgrund der Ankündigung von Satellite Reign bekam ich vor einigen Wochen wieder Lust, vier Agenten durch eine dystopische Zukunft zu steuern und den Persuadertron zum Einsatz zu bringen. Da mein letzter Durchmarsch bei Syndicate noch nicht all zu lange zurücklag, entschloss ich diesmal das Sequel in Angriff zu nehmen. Nachdem ich ein kleines technisches Problem mit der Mac-Version des Spiels gelöst habe, konnte es losgehen.

Syndicate Wars spielt einige Jahre nach dem Vorgänger. Eines der Syndikate, EuroCorp, hat den Krieg für sich entschieden. Doch die Ruhe währt nicht lange: Einige Menschen scheinen sich von der Kontrolle des Chips gelöst zu haben und verbreiten Terror im einst friedlichen totalen Überwachungsstaat. Zudem taucht unerwartet eine neue Bedrohung in Form der Kirche der neuen Epoche auf, die offenbar finanziell und technologisch EuroCorp mindestens ebenbürtig ist. Während die ersten Operationen der Parteien von der Bevölkerung noch relativ unbemerkt stattfinden, entbrennt schon bald ein heftiger Krieg, der ganze Stadtteile dem Erdboden gleich macht.

Syndicate Wars Screenshot
Auch heute noch beeindruckend: Ein Hochhaus sackt nach schwerem Beschuss in sich zusammen

Und das ist wörtlich zu nehmen, denn die modifizierte Magic Carpet Engine, die hier (wie im übrigen auch in Dungeon Keeper) zum Einsatz kommt, erlaubt die Zerstörung riesiger Wolkenkratzer samt spektakulärer Explosionen. Auch wenn sich seinerzeit viele Spieler die hübschere und wesentlich übersichtlichere 2D-Grafik des Vorgängers zurückgewünscht haben: Wenn man zum ersten Mal ein Hochhaus mit einer Ladung Sprengstoff einebnet, lässt sich auch heute ein zufriedenes Lächeln kaum unterdrücken. Generell tragen die wesentlich höheren Gebäude in Syndicate Wars viel zur Atmosphäre des Spiels bei, auch wenn sie dem Spieler nicht selten die Sicht auf seine Agenten versperren und man des öfteren mit der frei rotierbaren Kamera kämpft.

Das Sounddesign gehört zum besten was seinerzeit zu hören war. Insbesondere die Musik, eine Mischung aus CD Audio und dynamischem Midi, war etwas das man so noch nicht gehört hatte und unterstützt die düstere Science-Fiction/Cyberpunk-Atmosphäre des Spiels hervorragend. Einzig die Eintönigkeit der Waffensounds fällt negativ auf.

Syndicate Wars Screenshot
In diesem Bildschirm lassen sich die Agenten kybernetisch aufrüsten

Neben der Technik heben sich auch Aspekte des Spieldesigns von Syndicate ab: Das Drogensystem, mit dem man das Verhalten seiner Agenten beeinflussen kann, wurde vereinfacht. Waffen verzichten außerdem auf verschiedene Munitionstypen und zehren alle an dem gleichen sich regenerierenden Energievorrat. Dadurch wird das Spiel zwar actionlastiger, aber keineswegs zugänglicher – Der Schwierigkeitsgrad von Syndicate Wars ist berüchtigt. Kleines Beispiel: Als ich mich auf die Suche nach einem Guide für eine besonders harte Mission machte, musste ich feststellen dass die meisten Ratgeber einfach davon ausgehen, dass man ohnehin mogelt und mit Waffen antritt, die eigentlich erst deutlich später im Spiel verfügbar sind.

Apropos Waffen: Die Vielzahl der Tötungswerkzeuge wurde noch einmal angehoben und bietet nun durch Neuzugänge wie Trigger Wire (eine Art Sprengfalle), Psycho Gas und Cerberus IFF (kleine automatische Lasergeschütze) neue taktische Möglichkeiten. Auch die ohnehin schon abwechslungsreichen Missionen des Erstlings wurden in Syndicate Wars noch einmal übertrumpft. Viele Missionen laufen nun mehrstufig ab: Um die Medien zu manipulieren, greift man beispielsweise zuerst die bewachte Behausung eines niedrigen Mitarbeiters eines Medienkonzerns an und nutzt den Persuadertron um dessen Unterstützung zu erlangen. Mit Hilfe seiner Keycard gelangen wir anschließend auf das Gelände des Konzerns, wo wir ein Exempel statuieren und die Konzernchefin von unserer Sache überzeugen. Anschließend fliehen wir in einem Polizei-Hovercar, dass wir zuvor während eines Banküberfalls sichergestellt haben.

Syndicate Wars Screenshot
Krieg auf offener Straße

Hätte man damals nicht auf biegen und brechen eine 3D-Engine einsetzen wollen, wäre Syndicate Wars möglicherweise heute als das bessere Spiel der Serie in Erinnerung geblieben – Doch wahrscheinlich wäre es auch wesentlich unspektakulärer geworden. Denn auch wenn die selbst für damalige Verhältnisse klobige Grafik und die ständig nachzujustierende Kamera den Spielspaß mindern, so sind die völlig zerstörbaren 3D-Städte doch auch eine der größten Errungenschaften des Spiels.

Syndicate Wars ist derzeit für 5.99US$ bei gog.com für PC und Mac erhältlich.

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