Straßenrennen auf der Konsole

Vor einigen Monaten bin ich wieder auf Midnight Club LA aufmerksam geworden, ein Rennspiel für Xbox360/PS3 von Rockstar Games aus dem Jahre 2008, dessen Trailer ich als Need for Speed Underground-Fan sehr interessant fand. Zu seinem Erscheinen wurde es in den Reviews primär wegen seines extrem hohen Schwierigkeitsgrades abgestraft, diverse Tester gaben schon im ersten Drittel des Spiels frustriert auf. Der später veröffentlichte Patch linderte die Problematik zwar zumindest für die ersten Spielstunden ein wenig und sorgte für eine weniger steile Lernkurve, aber zu dem Zeitpunkt war das Spiel schon wieder aus dem Fokus der Presse geraten und fristete ein Nischendasein. Erst als Amazon das Spiel für lächerliche 9 Euro (!) quasi verschenkte, riskierte ich einen zweiten Blick.

Midnight Club LA Screenshot
Einer meiner beiden Lieblingswagen, ein Mazda RX7

MCLA basiert auf der gleichen Engine wie GTA4 und kommt optisch sehr ähnlichen daher: Anstelle von New York wird hier Los Angeles simuliert, komplett mit Verkehr und Passanten. Ständig kommt man an Orten vorbei, die man bereits aus Filmen oder Serien kennt – Wenn man nicht gerade an Rennen teilnimmt kann man sich leicht im Sightseeing verlieren.

Midnight Club LA Screenshot
Wer hier nicht aufpasst, lernt mit seinem Motorrad fliegen...

Wie in NFSU lassen sich alle Fahrzeuge in den Werkstätten der Stadt tunen. Manches geschieht unter der Haube, wie der Einbau besserer Motoren oder Nitro, manches sind optische Veränderungen wie Umbauten an der Karosserie, neue Lackierungen oder das anbringen von Vinylstickern. Das kann sogar so weit gehen, dass kaum noch erkennbar ist um welches Fahrzeug es sich ursprünglich einmal gehandelt hat.

Midnight Club LA Screenshot
Bloß nicht erwischen lassen, sonst wird es teuer!

Die ganze Fast&Furious-Kultur wird im Rahmen der primär in Zwischensequenzen erzählten Geschichte bedient, kein Klischee wird ausgelassen. Die Musik ist ein dazu passender Mix aus Rock, Electro und Hip-Hop, auf Wunsch sortiert in verschiedene Radiosender. Abwechslungsreichtum wird auch im Spiel selbst groß geschrieben: Bestzeiten wollen geschlagen, Autos an Kunden des befreundeten Händlers ausgeliefert, Turniere gewonnen, Polizisten abgehängt, geliebte Wagen aufs Spiel gesetzt und die Fahrzeuge anderer schrottreif gefahren werden. Hierfür stehen diverse handelsübliche Straßenwagen, Sportwagen, Luxuskarossen, SUVs, Lowrider, Musle Cars und sogar Motorräder zur Verfügung.

Midnight Club LA Screenshot
Die Ziellinie ist in Sicht. Jetzt bloß das Gleichgewicht halten...

Trotz des Arcade-artigen Spielprinzips sollte man nicht mit seinem Wagen anecken, denn fehlerfreies Fahren wird gleich mehrfach belohnt: Zum einen kosten Rempler natürlich Geschwindigkeit – Übermäßig aggressives fahren endet meist in Drehern, die nicht selten den Sieg kosten. Zum Anderen baut sich bei fehlerfreier Fahrt eine Special-Leiste auf, mit der man eine von vier unterschiedlichen Fähigkeiten aktivieren kann, darunter Zeitlupe und EMP. Und natürlich die größte Belohnung von allen: Das eigene Traumauto kommt ohne Beulen im Ziel an. Nichts ist befriedigender als das :).

Midnight Club LA Screenshot
Ein weiterer Mazda, diesmal in Form des RX8

Um es kurz zu machen: Ich bin positiv überrascht worden. Der Schwierigkeitsgrad bleibt der größte Minuspunkt von Midnight Club, trotz Patch sollte man schon sehr Frust-resistent sein, um nicht ab und an ins Gamepad zu beißen. Kann man jedoch darüber hinwegsehen, erwartet einen ein abwechslungsreiches und durchdachtes Rennspiel, bei dem ich im Nachhinein bereue nicht den vollen Preis bezahlt zu haben: Die Entwickler hätten es definitiv verdient!

httpvh://www.youtube.com/watch?v=_60tnmUt1p8

Epische Abenteuer im Apfelladen

Chaos Rings von Square Enix lässt sich erstaunlich knapp beschreiben: Final Fantasy für iOS. Die Charaktere, die Grafik, der Soundtrack, das Kampfsystem, einfach alles erinnert an die erfolgreiche JRPG Serie des gleichen Hauses. Genauer gesagt an deren glorreichste Tage, die frühen Playstation Titel!

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Das erste Paar: Escher und Musiea

Die Geschichte ist schnell umrissen: Fünf Paare unterschiedlicher Herkunft werden an einen unbekannten Ort teleportiert, wo ihnen ein geheimnisvolles Wesen, der sogenannte Agent, eine Reihe von Prüfungen stellt. Dazu zählt auch, dass sich die Teams untereinander in einer Arena bekämpfen sollen. Den Siegern verspricht er nichts geringeres als Unsterblichkeit und ewige Jugend, die Verlierer erwartet der Tod. Erst spät im Spiel offenbart sich, dass es (natürlich) um die Rettung der Welt geht (wenn auch auf sehr eigenwillige Weise).

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Im Kampf mit einem Phoenix

Doch die Prüfungen, an deren Anfang das auffinden der titelgebenden Ringe steht, sind nicht das einzige, was die Charaktere beschäftigt. Zusätzlich hat jedes Paar seine privaten Probleme, die es im Verlauf der Geschichte zu lösen gilt. So versucht beispielsweise das erste Paar schon nach wenigen Minuten sich gegenseitig zu töten – Die vom Agent aufgestellten Regeln zwingen die Beiden jedoch dazu, trotzdem zusammenzuarbeiten.

[youtube bUqYAdTOPOU]

Heraus sticht die ungewöhnliche Erzählweise: Wie bereits angedeutet ist jedes der vier Paare spielbar und erlebt die Geschichte auf eigene Art – Erst das durchspielen mit Allen bringt das wahre Ende zum Vorschein. Dabei spielt Square Enix gekonnt mit den Erwartungen der Spieler: Wer nicht aufpasst, verpasst einen guten Teil des Spiels in dem glauben, es durchgespielt zu haben.

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Einer der ersten Zwischengegner

Der Soundtrack von Noriyasu Agematsu lässt einen das fehlen von Nobuo Uematsu’s Klängen verschmerzen und unterstreicht das Geschehen hervorragend. Die Grafik pendelt sich irgendwo zwischen den PS1 und PS2 Ablegern von Final Fantasy ein, wobei das fehlen jeglicher Texturfilterung für heutige Verhältnisse etwas befremdlich wirkt. Andererseits passt das so gut in den Retrocharm der Optik, dass man schnell darüber hinwegzusehen vermag.

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Wirklich das Ende?

Chaos Rings beweist eindrucksvoll, dass sich auch größere Produktionen auf dem iPad (in meinem Fall) zuhause fühlen können. Der Preis mag für iTunes-Verhältnisse hoch sein, doch wenn man sich den Markt der Konkurrenzspiele auf anderen Handhelds vor Augen führt, ist das Rollenspiel geradezu ein Schnäppchen. Wenn ihr Fans von JRPGs seid, unbedingt anschauen! Chaos Rings ist sowohl für iPhone/iPod Touch als auch für das iPad erhältlich.

Even a Magical Device needs Mana

Mit viel medialem Getöse hat gestern der Verkaufsstart des iPhone 4 begonnen. Bei all dem Rummel könnte man fast vergessen, dass vor gerade einmal einem Monat ein ähnlicher Wirbel um ein anderes Apple-Gerät gemacht wurde: Das iPad. Ein Review erspare ich mir an dieser Stelle, wer daran interesse hat wird auf unzähligen anderen Seiten und Blogs fündig. Stattdessen möchte ich kurz auf ein paar Apps eingehen, die meines Erachtens nach aus dem einen oder Anderen Grund besonders erwähnenswert sind:

Marvel Comic Reader

Der Marvel Comic Reader ermöglicht es, aus dem riesigen Fundus an Comics seine Lieblinge in digitaler Form zu erwerben und natürlich zu lesen. Dabei ist die Darstellung sehr gelungen: Die Seiten werden nicht einfach nur angezeigt (auch das ist auf Wunsch möglich), sondern vielmehr präsentiert. Es erfolgen Übergänge zwischen den Panels, teilweise werden auch erstmal nur bestimmte Ausschnitte gezeigt, um die Spannung zu wahren was im nächsten Augenblick in einem anderen Teil des Bildes geschieht. In kürzester Zeit habe ich auf diese Weise die Civil War Reihe und Joss Whedons Astonishing X-Men Serie gelesen. Einfach mal testen, die Marvel App ist kostenlos und bietet immer auch Ausgaben zum hinein schnuppern an.

Plants vs. Zombies

Plants vs. Zombies ist eine Tower Defense Variante und hat mich bereits auf dem Mac in seinen Bann gezogen. Die Umsetzung der Schlacht zwischen Gartenpflanzen und modernden Zombies für das iPad ist gelungen, die Steuerung intuitiv und das Spiel hat nichts von seinem schrägen Humor verloren. Vorsicht: Macht süchtig!

Pulse

Pulse ist ein Feedreader mit sehr gelungener Optik und Handhabung. Das Interface ist gewollt einfach gehalten, Artikel kann man auf Wunsch auch Offline lesen oder sie zum späteren Lesen via Instapaper markieren.

Carcassone

Streng genommen ist Carcassone gar keine iPad App (jedenfalls noch nicht, ein Update soll später nachhelfen), trotzdem ist es den Coding Monkeys durch Programmier-Voodoo gelungen, höher aufgelöste Grafiken in der iPhone-Version unterzubringen, die beim Start im Zoom-Modus des iPad angezeigt werden. Damit haben sie etwas beachtliches geschafft: Das iPhone-Spiel sieht fast wie eine iPad App aus. Carcassone ist sehr gut umgesetzt und bietet ein kurzes aber gelungenes Tutorial an, das sogar ich verstanden habe (im Gegensatz zur Xbox Live Arcade Variante…). Dazu scheint das iPad für diese Art von Brettspiel Umsetzung wie geschaffen zu sein. Nun hoffe ich auf ein gutes Risiko, BattleTech und, und, und 🙂

Bereits in ihren anderen Inkarnationen unerlässlich und auch auf dem iPad extrem gelungen sind Things, Dropbox und Canabalt. Auch diverse andere Programme wie Flight Control HD, Galcon Fusion, Warpgate HD, GoodReader, Pages, Air Display und die mitgelieferten Apps verwende ich regelmäßig. Aber irgendwo muss dieser Artikel ja sein Ende finden ;).

Akustischer Schneesturm

Echoes of War

Blizzard hat im Laufe der vergangenen Jahre nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Spielen veröffentlicht. Die bekanntesten Serien des Developers sind zweifelsohne Diablo, Starcraft und Warcraft samt dessen MMO Ableger. Im Rahmen dessen sind auch viele unvergessliche Soundtracks entstanden – Was liegt also näher, als sich mit einem Orchester zusammenzutun und einige der beliebtesten Stücke neu aufzunehmen? Die Wahl fiel auf das in Sydney beheimatete Eminence Orchestra, dass sich schon vor Jahren auf die Umsetzung von Spielesoundtracks spezialisiert hat und einige der schönsten Variationen bekannter Songs beigesteuert hat. Als Beispiel sei hier das Metal Gear Solid Theme genannt:

[youtube ZfKA4b5SFq4]

Aber nun genug der Hintergründe, kommen wir zur CD: Die Tracklist liest sich wie ein Auszug aus Blizzards Portfolio, nahezu alle Fan-Lieblinge sind vertreten und erklingen in neuem orchestralen Glanz. Die Umsetzung ist durchweg gelungen, überrascht jedoch stellenweise bei der Wahl der Instrumente. Insbesondere beim Terran Theme aus Starcraft war für mich der Einsatz der Bläser etwas unerwartet, da das Original eher nach Synthie und Gitarre klingt. Hier bedurfte es ein wenig Eingewöhnung, mittlerweile finde ich es aber sehr passend. Neben den Themen der drei Rassen des SciFi-Epos findet sich auch ein Ausblick auf Starcraft 2 auf der Scheibe wieder. Als besonderes Schmankerl gibt es auch einen Track aus dem gecancelten Starcraft Ghost.

Die Songs aus Diablo 2, Warcraft 3 und WoW hingegen hingegen bieten wenig Grund zur Beanstandung, aber auch wenig Überraschung – Schließlich wurden sie von vornherein für ein Orchester konzipiert und klingen den Versionen aus den Spielen teilweise zum verwechseln ähnlich. Auch Diablo Fans können sich über einen Bonus-Track freuen: Legacy of Terror stammt aus dem kommenden Sequel der Serie.

Zu guter letzt haben zwei Gastkomponisten eigens für die Compilation je einen Song beigesteuert. Last Angel von Ladybird Moai ist ein ruhiges tragisch-mysteröses Stück. Auf der Basis von Piano und Geige entfaltet die Sängerin ihre mächtige Stimme – So weit jedoch, dass einem die Ohren bluten. Dies ist der einzige Track des Albums, den ich öfters mal überspringe…

Der letzte Song des Albums wurde von Diablo inspiriert und stammt von einem alten Bekannten des Orchesters: Children of the Worldstone wurde von Kow Otani geschrieben, der bereits für seinen Soundtrack von Shadow of the Colossus mit den Australiern zusammengearbeitet hat:

[youtube x-g1ncoKihw]

Wenn man mit der Musik der Blizzard Spiele etwas anfangen kann, ist der Kauf des Albums nichts, worüber man groß nachdenken sollte. Einfach kaufen und genießen. Ohne den Nostalgie- und Fan-Faktor sollte man allerdings erstmal reinhören.

Das Weihnachtsgeld muss weg 2

Wer hier etwas regelmäßiger vorbeischaut weiß, dass ich eine gewisse Affinität zu teuren Dingen mit gutem Klang habe. Ende letzten Jahres war es schließlich an der Zeit, mir ein paar neue Stereo-Lautsprecher samt passendem Verstärker zuzulegen. Nachdem ich mich ein wenig näher mit der Thematik befasst hatte, ging es zum Probehören. Am Ende der Sessions blieben nur die Produkte von KEF, B&W und Spendor in der engeren Auswahl. Und obwohl ich angesichts meiner Erfahrungen mit dem Zeppelin ein wenig voreingenommen war und zu B&W tendierte, kam es doch anders…

Ursprünglich unbekannterweise als Geheimtip des Vorführers in die Auswahl aufgenommen, machten die Spendor S3/5R nach dem direkten Vergleich mit Hugh Masekelas Song Stimela am Ende das Rennen. Nachdem ich sie nun seit einem Vierteljahr betreibe möchte ich Euch an dieser Stelle über meine Erfahrungen berichten:

So sehen die Schmuckstücke von Spendor aus

Der Gesamteindruck ist auch in meinem eher suboptimalen Hörraum sehr gut. Die natürliche Stimmenwiedergabe, die für mich beim Probehören letztendlich den Ausschlag zugunsten der Spendor gegeben hatte, kommt hervorragend zur Geltung. Ob nun Trent Reznors gequälter Gesang bei Hurt oder Tarja Turunens feurige Höhen bei She is my Sin, man hat fast den Eindruck dabei zu sein. Auch rein akustische Stücke wie Amon Tobins Elektro-Jazz und die verschiedensten Soundtracks machen durchweg einen guten Eindruck.

Als eher schwach ausgeprägt ist der Bass zu bezeichnen, aber das ist von Regalboxen auch nicht anders zu erwarten. Sollte ich irgendwann einmal das Bedürfnis nach Bass-lastiger Musik verspüren, lege ich mir ohnehin einen Subwoofer zu. 🙂

Zum Abschluss bleibt mir nur noch, ein wenig Werbung zu machen: Wer in der Nähe von Frankfurt beheimatet ist und Audioequipment sucht, das gern auch mal etwas mehr kosten darf, sollte unbedingt mal bei Raum Ton Kunst vorbeischauen. Der Laden ist großartig, hat eine gute Auswahl und die Mitarbeiter nehmen sich für jeden Kunden Zeit. Überhaupt bekommt man schnell den Eindruck, dass hier noch aus Liebe zur Materie gearbeitet wird. Ich kann den Laden nur jedem Musikgenießer ans Herz legen.